„Höchste Zeit – aber nicht für Wahlkampfmanöver“
Eine Kapazität von 1000-1500 Personen fehlt unserer Stadt seit vielen Jahren – und sie ist eine zentrale Forderung der CuKK, die wir seit langem kontinuierlich gegenüber Politik und Verwaltung vertreten. Die Club- und Kulturkommission Augsburg begrüßt daher die Pläne zur Errichtung einer neuen Veranstaltungsspielstätte für über 1000 Personen am Gaswerk ausdrücklich.
Die angedachte Mischnutzung aus Kultur und Sport halten wir – gute Planung und transparente Kommunikation vorausgesetzt – für machbar und praxistauglich. Die Zeltdachlösung, wie sie beispielsweise auch in Hamburg bei den Musicalhallen eingesetzt wird, ist aus unserer Sicht eine smarte Option. Bereits in der Machbarkeitsstudie wurde auf geringe Baukosten und damit auf wettbewerbsfähige Mietkonditionen geachtet. Das führt zu niedrigeren Produktionskosten vor Ort – und je geringer diese ausfallen, desto eher wird es den lokalen Veranstaltern gelingen, zahlreiche attraktive Live-Acts nach Augsburg zu holen.
Augsburg verfügt über eine lebendige Szene, starke Spielstätten sowie Clubs und hervorragende Arbeit im Bereich der Nachwuchsförderung. Doch wir verlieren Künstlerinnen und Künstler auf ihrem Weg nach oben, weil wir sie nicht über die kleinen Bühnen hinausbegleiten können. Eine mittelgroße Spielstätte ist der entscheidende Baustein, um die „Stars von morgen“ in Augsburg zu halten und ihnen Entwicklungsperspektiven zu bieten. Fast jede vergleichbare Stadt verfügt längst über entsprechende Infrastruktur.
Sebastian Karner, Vorstand der Club- und Kulturkommission:
„Eine Spielstätte dieser Größenordnung wäre ein echter Quantensprung für Augsburg. Wir könnten im Wettbewerb mit anderen Städten endlich aufholen – derzeit sind wir als Standort im Konzertbereich schlicht drittklassig. Diese Infrastruktur zu schaffen, ist überfällig und entscheidend für die Zukunft unserer Kulturszene.“
Kritischer Hinweis der CuKK
Trotz unserer grundsätzlichen Unterstützung ist uns wichtig zu betonen, dass die Faktenlage derzeit noch zu dünn ist, um eine abschließende Bewertung vorzunehmen. Weder liegen belastbare Informationen zu einer möglichen Betreiberstruktur vor, noch gibt es Klarheit über Kosten, Finanzierung, Zeitplan oder die konkrete politische Unterstützung im Stadtrat. Für die Livemusik‑ und Veranstaltungsszene ist dieses Thema zu bedeutend, um im laufenden Wahlkampf verkürzt dargestellt oder vorschnell instrumentalisiert zu werden.
Hinzu kommt: In der Vergangenheit gab es bereits mehrfach große Ankündigungen, Machbarkeitsstudien und ansprechende Visualisierungen (Theaterviertel, Fugger-Boulevard) – ohne dass daraus konkrete, umgesetzte Lösungen entstanden wären. Für dieses ambitionierte Vorhaben muss der politische Wille, die seit Jahren fehlende Spielstätte endlich zu realisieren, über den Wahltag hinaus Bestand haben. Über den Bedarf sprechen wir als CuKK seit vielen Jahren. Das Erkenntnisproblem ist selten das eigentliche Hindernis, weder auf kommunaler noch auf Landes- oder Bundesebene. Die Herausforderungen liegen meist in der konsequenten Problemlösung und der Umsetzung guter Ideen. Genau deshalb braucht es jetzt Transparenz, Verbindlichkeit und einen realistischen Fahrplan, bevor politische Erwartungen geweckt werden, die später nicht erfüllt werden können.
Das Gaswerk-Areal hat in den vergangenen Jahren spürbare Fortschritte gemacht und wichtige Impulse für die kulturelle Entwicklung gesetzt. Gleichzeitig ist offensichtlich, dass der Standort noch nicht sein volles Potenzial entfaltet und dass weitere Investitionen notwendig sind, um die vorhandenen Chancen konsequent zu nutzen. Besonders im Bereich der grundlegenden Infrastruktur besteht weiterhin erheblicher Nachholbedarf: Viele technische und logistische Elemente, die für professionelle Veranstaltungen unverzichtbar sind, müssen derzeit von den Mieterinnen und Mietern kostenintensiv zugemietet werden. Das erschwert eine wirtschaftliche Nutzung und verhindert, dass das Gelände häufiger und vielfältiger bespielt werden kann.
Eine Spielstätte dieser Größenordnung wäre daher ein zentraler Baustein, um die Entwicklung des Areals zu beschleunigen und die Vermietung sowie Vermarktung nachhaltig zu stärken. Sie schafft die infrastrukturelle Grundlage, auf der kulturelle Vielfalt, wirtschaftliche Tragfähigkeit und überregionale Strahlkraft erst entstehen können. Ein solcher Schritt würde deutlich machen, dass Augsburg bereit ist, die bestehenden Lücken entschlossen anzugehen und sich im Wettbewerb, um nationale und internationale Acts wieder stärker zu positionieren.
Sedat Cerimi, stellvertretender Vorstand der Club- und Kulturkommission:
„Seit Jahrzehnten fehlt in Augsburg eine Spielstätte dieser Kapazität. Umso wichtiger ist es, dieses Projekt jetzt entschlossen, klug und mit dem nötigen Mut anzugehen. Nur so können wir die kulturelle Entwicklung der Stadt nachhaltig stärken und verlorenes Terrain zurückgewinnen.“
Damit ein solcher Ort erfolgreich betrieben werden kann, braucht es jedoch von Beginn an die richtige Betreiberstruktur. Als CuKK vertreten wir klar die Position, dass die gastronomischen Erlöse sowie Einnahmen aus Garderobe und Merchandising den lokalen Veranstalterinnen und Veranstaltern zugutekommen müssen. Es braucht im Werben um die Künstlerinnen und Künstler einen kreativen und mutigen Augsburger Weg. Nur so können faire Gagen für Liveacts, ordentliche Entlohnung der Angestellten und Dienstleister gezahlt werden. Und nicht zuletzt dämpft diese Maßnahme auch die immer weiter steigenden Eintrittspreise für Konzerttickets. Wir sprechen uns daher für ein gemeinsames Betreiberkonsortium aus Gaswerk, Stadt und privaten Investorinnen und Investoren aus – ein Modell, das sich im Sportstättenbau vielfach bewährt hat und auch hier für Stabilität, Fairness und Planungssicherheit sorgen würde.
Bernhard Klassen, stellvertretender Vorstand:
„Ich möchte nicht jedes Mal nach München fahren müssen, um große Acts live zu erleben. Entscheidend ist, dass bei der Planung der neuen Halle die Betreiberstruktur von Anfang an mitgedacht wird. Ein mutiger, eigenständiger Augsburger Weg könnte uns einen echten Vorteil gegenüber anderen Städten verschaffen. Wir haben in diesem Bereich viel aufzuholen – umso wichtiger ist es, jetzt die richtigen Weichen zu stellen.“
Die CuKK steht bereit, diesen Prozess konstruktiv zu begleiten und gemeinsam mit allen Beteiligten eine zukunftsfähige Lösung für Augsburgs Kulturlandschaft zu entwickeln.